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Die schönsten Rennrad-Touren rund um Wels

Einblicke, Insider- und Touren-Tipps

von Extremradsportler Frederik Böna

Ruhe, Natur, schmale, sehr verkehrsarme Straßen, unzählige Flach-Strecken und Höhenmeter –
die Region um Wels, Oberösterreich bietet Rennradfahrern extrem viel.
 

 

Tour 1  |  Wels – Kremsmünster

Tour 1  |  Wels – Kremsmünster

/ Distanz: 92 Kilometer
/ Höhenmeter: 840 Höhenmeter
/ Tourplanung von Frederik Böna
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Hügelland

Es geht bergauf. Wieder einmal. Die Steigung: zwölf Prozent. Zum gefühlt hundertsten Mal heute wuchte ich mein Rad im Wiegetritt einen Anstieg hinauf. Nach knapp 70 Höhenmetern bin ich oben. Auf dem nächsten Hügel. Um mich herum: grüne Wiesen, gelb blühende Rapsfelder, unendlich viele kleine Hügel.

In der Ferne sehe ich die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Der knapp 1700 Meter hohe Traunstein, der 1349 Meter hohe Katzenstein und der Erlakogel mit seiner Höhe von 1575 Metern sind nur etwas mehr als 50 Kilometer entfernt.

Direkt hinter ihnen türmen sich die teils über 2000 Meter hohen Bergspitzen des Toten Gebirges auf. Ich höre nichts – außer meinen eigenen Atem und das Surren der Kette. Ansonsten ist es um mich herum vollkommen still. Alles um mich herum duftet nach Frühling und frischer Landluft.


Das Alpenvorland

Dies ist ein Ort der Ruhe – und ein ideales Trainingsrevier.

Zentraler Startpunkt Wels

Eine halbe Stunde zuvor bin ich in der achtgrößten Stadt Österreichs gestartet: in Wels. Mit knapp 65.000 Zuschauern ist die an der Traun gelegene Stadt die zweitgrößte in Oberösterreich. Die Grenze zu Deutschland ist nicht weit, Passau liegt nur rund 80 Kilometer weit entfernt. Meine Tour begann am Angerlehner Steg, direkt am Ufer der Traun, einem Nebenfluss der Donau. Hier treffen sich auch die meisten lokalen Rennradgruppen für ihre gemeinsamen Ausfahrten.

Ich habe Glück mit dem Wetter: Es ist ein milder, sonniger Tag im verregneten, kühlen Frühjahr 2023. 18 Grad Celsius, trockene Straßen – ideale Bedingungen, für eine Trainingseinheit. Auf dem Angerlehner-Steg rolle ich über die Traun, anschließend ein paar Meter am Flussufer ent lang und kurz darauf aus der Stadt heraus. Hinein in die Natur.

Tagesziel Stift Kremsmünster

Innerhalb von nur wenigen Minuten lasse ich die Stadt hinter mir. Ich muss nicht einmal an einer Ampel anhalten. Mein heutiges Ziel: der Stiftsort Kremsmünster. Der Name des Ortes geht auf das Benediktinerstift Kremsmünster zurück. Es wurde im Jahre 777 von Bayernherzog Tassilo III. gegründet und ist bis heute das kulturelle Zentrum der Region. Auch heute noch leben und arbeiten hier insgesamt 42 Benediktiner-Mönche.

Die Daten meiner heutigen Tagestour: 92 Kilometer, 840 Höhenmeter.

Eigentlich eine recht kurze Runde. Doch für eine Trainings einheit im Frühling ist sie ideal geeignet – und durchaus an spruchsvoll. Wie hügelig die Region ist, bemerke ich schon nach den ersten eineinhalb Kilometern. Denn es geht sofort bergauf.

Güterwege und Hügel

Die Strecke verläuft größtenteils auf schmalen Güterwegen. Sie sind zwar für den motorisierten Verkehr nicht gesperrt, doch mir begegnen fast nur Menschen auf Fahrrädern. Die meiste Zeit habe ich die schönen Sträßchen für mich allein. Nach 16 Kilometern komme ich am Schacherteich vorbei, einem kleinen und bei Fischern sehr beliebten See. Hier findet jedes Jahr am Samstag nach Allerheiligen das traditionelle Abfischen der Karpfen statt. Die Oberfläche des Wassers glitzert im Licht der Sonne. Ich kann den Anblick genießen, denn hier führt einer der wenigen flachen Streckenabschnitte vorbei.

Ziel in Sicht

Mit knapp 40 km/h rolle ich weiter Richtung Kremsmünster. Doch schon ein paar Kilometer später geht es wieder bergauf. Die Anstiege hier beinhalten zwar meist nicht einmal 100 Höhenmeter, doch dafür sind sie oft sehr steil. Als ich oben ankomme, sehe ich Kremsmünster und die Klosteranlage im Tal liegen – vor einem beeindruckenden Alpenpanorama. Anhalten, Riegel essen, Jacke überziehen, Fotos machen.
 

Stift Kremsmünster

Ein paar Minuten später rolle ich hinunter, direkt zum Kloster. Nach ein paar weiteren Fotos dort, fahre ich weiter – immer tiefer hinein ins oberösterreichische Hinterland. Die Strecke führt mich über Kematen an der Krems – und über noch mehr Hügel. Als ich kurz vor Sonnenuntergang wieder in Wels ankomme, bin ich müde und hungrig.

Zurück in der Welser Homebase

Meine Tour endet mitten im Stadtzentrum am Ledererturm. Hier, umgeben von insgesamt 64 Bürgerhäusern aus ver schiedensten Stilepochen, genieße ich den milden Abend – und fülle mit ein paar Kugeln Eis meine leeren Kohlenhydratspeicher.

Tour 2  |  Obsthügelland

Tour 2  |  Obsthügelland

/ Distanz: 112 Kilometer
/ Höhenmeter: 1.290 Höhenmeter
/ Tourplanung von Frederik Böna
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Obsthügel & Kirschblüten

Meine zweite Tour führt mich ins Obsthügelland. Mit 112 Kilo metern und 1290 Höhenmetern ist die Strecke deutlich an spruchsvoller als am Vortag. Wieder bin ich nach wenigen Minuten auf schmalen, verkehrsarmen Straßen unterwegs. Nach ein paar Kilometern fahre ich an Bichlwimm vorbei. Das Dörfchen hat gerade einmal 50 Einwohner – und steht für mich sinnbildlich für die Region um Wels.

Ein paar Minuten später sehe ich einige Fasane auf der Wiese. Sie stehen direkt am Rand der Straße, auf der ich fahre, und lassen sich nicht bei der Futter suche stören. Die bunten, recht großen Vögel waren früher in ganz Europa weitverbreitet, mittlerweile sind sie sehr selten ge worden. Hier offenbar nicht, denn während meiner heutigen Tour sehe ich noch dreimal je mehrere Fasane auf den Feldern stehen.


Tierische Begleiter

Heute begegnen mir sogar noch weniger Autos als gestern. Stattdessen rennen immer wieder Feldhasen vor mir über die Straße. Einer davon springt mehrere Hundert Meter weit vor mir her, bevor er dann links ins Feld ausweicht.

Ein paar Minuten später rennt eine Gruppe Rehe über die Wiese neben mir. Ich muss spontan an eine Tier-Safari denken – hier, in Oberöster reich.

Irgendwann tauchen vor mir etliche blühende Kirschbäume auf. Die Obstlandschaft des Schartner Höhenrückens bei Buchkirchen und die in Blüte stehenden Kirschbäume sind so charakteristisch für die Region um Wels, dass sogar ein großes traditionsreiches Radrennen im Frühling danach benannt wurde: das „Kirschblütenrennen“.

Dessen Streckendaten: 172 Kilometer, 1.600 Höhenmeter. Veranstaltet wird das Rennen von den Mitgliedern des Radclub Arbö Felbermayr Wels – einem der größten und erfolgreichsten Radsportvereine Österreichs.
 

Frühjahrsklassiker & Innenstadtkriterium

Das „Kirschblütenrennen“ ist das älteste und mit seinen rund 600 Teilnehmern eines der wichtigsten Radrennen in Österreich. Legendär ist vor allem die Bergwertung am Mistelbacherberg mit seinen zehn Prozent Steigung. Das Rennen findet jedes Jahr Ende April statt – genau dann, wenn in der Regel auch die Kirschblüten blühen.

Generell hat der Radsport hier in der Region einen sehr hohen Stellenwert.

Das zeigt sich unter anderem auch daran, dass das Profiteam Felbermayr Simplon Wels hier seinen Sitz hat. Auch der Ultra-Radsportler Wolfgang Fasching lebt und trainiert in Wels. Dreimal gewann der inzwischen 55-Jährige in der Vergangenheit das Race Across America, das wohl berühmteste Langstreckenrennen der Welt. Gute acht bis neun Tage war er dabei unterwegs, einmal quer durch die USA, auf einer Strecke von rund 5.000 Kilometern.

Extremradsportler Frederik Böna in Wels

Ein weiteres Radsport-Highlight
in Wels ist das Innenstadtkriterium.

Drei Tage nach der Tour de France kommen hier jedes Jahr einige Tour-Teilnehmer und nehmen an dem Rennen durch die Innenstadt teil. Rund 10.000 Zuschauer verfolgen das Kriterium am Streckenrand.

Im bereits 27. Innenstadtkriterium am 29. Juli 2026 sind erneut WorldTour-Profis und die österreichischen Conti-Teams um den Sieg angetreten. Das rasante Finale gewann der Gmundener Michael Gogl vom Alpecin-Premier Tech. 

Tour 3  |  Attersee

Tour 3  |  Attersee

/ Distanz: 152 Kilometer
/ Höhenmeter: 1.440 Höhenmeter
/ Tourplanung von Frederik Böna
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Echtes Highlight

Für meine letzte Tour habe ich mir noch ein Highlight als Wendepunkt ausgewählt: den Attersee, den womöglich schönsten See Österreichs.

Einmal will ich um den See herum- und anschließend wieder zurück nach Wels fahren.

Die Atterseetour

Die Daten der Strecke:
152 Kilometer, 1.440 Höhenmeter.

Die Route führt mich vorbei am Traunfall, einem rund 200 Meter breiten und zwölf Meter hohen Wasserfall, mit dem ein Wasserkraftwerk betrieben wird. Die Strecke beinhaltet mit der Großalmhöhe zudem einen 840 Meter hohen Pass.

Wieder erlebe ich die Vielfalt der Region:

Schmale Straßen mit wenig Verkehr, ein teils atemberaubendes Alpenpanorama, bunte Felder, eine schöne Hügellandschaft und kleine Dörfer. Es ist eine weitere Traumtour, die in Wels beginnt und endet. In der Stadt, die Radsportlern extrem viel bietet.

Die Rennrad Region Wels

Text: Frederik Böna
Fotos: Jens Scheibe

Gesamte Reportage erschienen im Rennrad Magazin
07/2023  |  Mit freundlicher Genehmigung.
Online aktualisiert 2026.

 

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